< zurück

Sannyasin sein heisst für mich heute das Gleiche wie früher, nur dass es sich sehr verändert hat. „Damals“ ging alles darum, soviel Zeit wie möglich in der Nähe von Osho zu verbringen, und möglichst viel für Sannyas „zu tun“, was mir sehr viel gebracht hat. Ich lebte und arbeitete im Osho Tao Zentrum in München, und konnte es mir so einrichten, dass ich fast die Hälfte des Jahres in Pune im Ashram verbringen konnte. Einmal hab ich 5 ½ Monate lang Dynamische Meditation gemacht, und abends den Diskurs zu verpassen war etwas Undenkbares. Es war einfach toll, die Zeit und den Platz für diese Totalität in Oshos Nähe zu haben. Ohne diese Zeit wäre ich nie der geworden, der ich heute bin. Ich bin sehr dankbar für diese Zeit. Diese Dankbarkeit für die Transformation, die ich mit Osho erlebt habe, verbindet mich immer noch so stark mit ihm. Ich bin als ein Anderer wiedergeboren worden, und Osho war der Geburtshelfer. So wie ich meine körperliche Existenz meinen Eltern verdanke, verdanke ich Osho die Neugeburt in ein Leben, in dem es Sinn und Freude, Schönes und Stille, Kraft und Kreativität gibt. Die Verbindung zu Osho ist deshalb für mich auch 18 Jahre nach seinem körperlichen Tod so stark wie eh, und die Frage eines anderen Meisters ist für mich bisher einfach nicht aufgetaucht. Aber trotzdem hat sich undendlich viel verändert. Dort wo früher Tun, Brauchen, Wollen war, ist viel mehr Ruhe und Gelassenheit eingekehrt. Manchmal richte ich es mir so ein, dass ich 3 Wochen lang Mandala Meditation machen kann, aber die meiste Zeit verbringe ich ohne „strukturierte“ Meditation. Im Sommer liebe ich es immer noch sehr, wenn bei uns im Shangri la die Mystic Rose läuft, abends im Garten Osho zu hören, so wie früher morgens ausserhalb der Buddhahall, dabei Tee zu trinken, die Natur dabei wahrzunehmen und zu geniessen. Und Natur ist das Stichwort für mich. Etwas ist natürlicher geworden in meinem Sannyasin Sein, entspannter, weniger ehrgeizig. Ich versuche genau wie früher soviel Bewusstheit in mein Leben, in meinen Alltag zu bringen wie ich eben kann. Dabei stosse ich oft an meine Grenzen, wo ich erkennen muss, wie schnell und leicht es doch immer noch geschieht jegliche Bewusstheit zu verlieren. Aber was anders geworden ist, ist, dass ich gelassener geworden bin, und dass ich auch diese Momente des Vergessens anschauen kann, ohne in die Falle des Wählens, des Wollens und Ablehnens zu tappen. Da ist mehr Annehmen, mehr nicht zielgerichtete Bewusstheit. Wenn gerade Emotionen alles verdeckt haben, so ist es eben das was sich gerade auf dem Spiegel der Bewusstheit reflektiert. Und ich sehe, wie ich früher Osho ohne es zu merken zu einer inneren Superegoinstanz gemacht habe, auf die ich meine Vergleiche, Ambitionen und Vorstellungen projiziert habe. Ich habe viele Bücher von Osho, lese aber selten in ihnen, ihre Gegenwart ist aber ein wichtiger innerer Anker für mich. Einer der Diskurse, die es mir am allermeisten angetan haben, ist eine Frage aus einem der Kabir Bücher, über den Unterschied zwischen einem Kloster und einem Ashram:

And the Eastern word `ashram’ is beautiful: it means rest. You have lived in the world, you have known the world; now to rest you go to an ashram. You have seen the world – the ugliness of it, the futility of it, the uselessness of it, the meaninglessness of it – now you would like to rest. Now you go deep into the forest, you sit under the shady trees, you listen to the murmur of the brooks and the song of the birds, and you see the sunrays playing on the treetops in the morning, and you watch the silent stars. You relax. By-and-by, you relax into your nature with the help of nature outside you. It becomes a harmony – the inner nature and the outer nature. You start playing with the outer nature. It is not a seeking; an ashram is not seeking. It is a place to rest…

Der Wunsch dem geliebten Meister nahe zu sein ist auch ein Wunsch, der Unbewusstheit und Anspannung erzeugt. Jetzt lebe ich mit meiner Frau Prapati und unseren drei Kindern in einem Meditationszentrum, im Shangri La OMC, in der Natur, und fühle mich mit Osho eng verbunden, auch wenn ich gerade die allergewöhnlichsten Dinge mache. Viel dazu beigetragen hat auch, die Entwicklung meines Sohnes Jori zu beobachten, und zu unterstützen. Und die Geburt unserer Zwillinge Yoko und Jaya hat diese Entwicklung noch einmal weitergetragen. Osho ist kein Ziel mehr für mich, keine „Autorität“, sondern eine Präsenz tief in mir, die mich in Vielem leitet. Der Meister im Aussen ist gegangen, und hat Platz gemacht für eine Präsenz im Innen. Dankbar bin ich für Beides.

verwandt: